Unter die Lupe genommen

Honig und Religion

Heute darf ich dich erneut zu einem Gastbeitrag in der Kategorie „Honig und . . .“ willkommen heißen. Diesmal geht es um Honig sowie die Bienen in den Religionen. Leben hinterm Honig-Gastautor Christoph Bernauer hat hier wirklich viele spannende und interessante Dinge zusammengetragen.

Viel Spaß beim Lesen 😊

Honig & Bienen in den Religionen

Die fleißigen Insekten und ihr flüssiges Gold haben in religiösen Bräuchen und in der internationalen Folklore schon immer eine sehr wichtige Rolle gespielt. So wurde Honig etwa im Hinduismus, Christentum, Islam, bei den Yoruba, einem Volk in Westafrika, sowie in vielen weiteren Religionen als Opfergabe für die Götter verwendet.

Die starke Bedeutung von Bienen und Honig im religiösen Erbe unzähliger Kulturen ist nicht weiter verwunderlich:

Jahrtausendealte Höhlenzeichnungen in Spanien belegen, dass schon die Jäger in der Steinzeit den Honig nutzten, um damit Bären zu ködern, aber auch um den eigenen Speiseplan damit zu bereichern. Honig war vor der Herstellung von Zucker aus Zuckerrüben lange das einzige naturbelassene Süßungsmittel der Menschen. 

Honig hat eine antibakterielle und antimykotische Wirkung, d.h. eine Wirkung gegen Pilzinfektionen. Diese nützlichen Effekte erkannten bereits die alten Ägypter, die ihre Mumien mit Honig einbalsamiert haben, um sie vor Verwesung zu schützen.

Darüber hinaus hängen von der Bestäubung durch Honigbienen wichtige landwirtschaftliche Erträge im Pflanzen- und Obstbau ab. Pflanzen, die nicht nur uns, sondern auch vielen Tieren als Lebensgrundlage dienen.

Seit Jahrtausenden ist Honig ein Produkt mit hohem kulturellen Status, quer über den Globus (Quelle: Arwin Neil Baichoo/UNSPLASH)

Die Bedeutung der Biene und des Honigs . . . ​

. . . im Hinduismus und Buddhismus

Etwas weiter östlich, im Kulturkreis von Hinduismus und Buddhismus, findet man Bienen und Honig ebenfalls in den mythischen Legenden.

Hindu-Götter werden seit jeher mit Bienen in Verbindung gebracht. Gottheiten wie Vishnu oder Krishna wurden auch „Madhava“ genannt, also „Honiggeborene“. Ihr Symbol ist daher auch eine Honigbiene. 

Vishnu, der an höchster Stelle des indischen Götterphanteons Harmonie, Licht und Ordnung in der Welt schafft, wird oft als blaue Biene, ruhend im Kelch einer Lotusblume dargestellt. Die Farbe Blau symbolisiert hierbei den Äther, dem die Gottheit entstammt.

Vishnu

Auch Krishna, eine der vielen Inkarnationen Vishnus, wird mit der Biene in Verbindung gebracht und nicht selten findet man Darstellungen Krishnas mit einer blauen Biene über dem Haupt.

Im buddhistischen Honig-Vollmond-Fest, Modhu Purnima, wird Buddhas Durchquerung der Wildnis gedacht, um Frieden zwischen den Stämmen zu bringen. Während der Durchquerung wurde er von einem Elefanten und einem Affen begleitet. Der Elefant versorgte ihn mit Früchten, der Affe brachte ihm Honigwaben zur Stärkung. Beiden war eine Wiedergeburt im Trayastrimsa, eine Art Himmel, vergönnt.

. . . im Christentum und Judentum

Im Christentum symbolisiert die Biene Weisheit, denn Bienen verwandeln den Staub der Blumen in das Gold des Honigs.

Im Alten und Neuen Testament finden sich einige Bezüge zu Honig und Bienen. Die meisten spielen auf die Annehmlichkeiten von Honig an:

Im Fünften Buch Mose allerdings wird auch auf die Tod bringenden Eigenschaften von Bienen verwiesen, indem die kampfeslustigen Amoriter mit einem wütenden Bienenschwarm verglichen werden. 

Der Stachel der Biene wird im Neuen Testament immer wieder mit Jesus‘ Dornenkrone und seinem Tod am Kreuz in Verbindung gebracht, während Honig auf das reine Wesen von Jesus anspielt und dadurch eine positive Bedeutung erfährt.

Beim jüdischen Neujahrsfest, Rosch Haschanah, werden in Honig getunkte Apfelschnitze gegessen, als Symbol für die Hoffnung, dass das kommende Jahr besonders süß wird. Und nicht zu vergessen: In der hebräischen Bibel wird das gelobte Land Israels als „das Land, in dem Milch und Honig fließen“ geprießen. Eine Formulierung, die sich zu einer festen Redewendung entwickelt hat und für ein besonders fruchtbares Land steht, das landwirtschaftliche Güter im Überfluss hervorbringt.

Äpfel und Honig isst man traditionell zusammen beim jüdischen Neujahrfest "Rosch Haschanah" (Quelle: Adobe Stock)

. . . im Islam

In der heiligen Schrift des Islams, dem Koran, wird die Heilwirkung des Honigs an mehreren Stellen beschrieben. In Kapitel 16 steht geschrieben, dass „die Biene durch Eingebung den Befehl bekommen hat, von allen Früchten zu essen und dadurch Honig herzustellen und dass der Honig für den Menschen eine Heilwirkung besitzt“.

Honig - Leben hinterm Honig

Doch der Honig wird im Islam nicht nur für seine wundheilende und antiseptische Wirkung geschätzt, er ist auch aufgeladen mit allerlei Symbolik.

So wird er zu Hochzeiten aufgetischt und soll die Süße des Ehelebens symbolisieren. In Marokko bekommen die Hochzeitsgäste zu Honig auch noch Datteln, Milch und Eier gereicht, was der Paradiesvorstellung im Alten Testament sehr nahekommt.

So, ich hoffe du hast – genau wie ich – ganz viel dazu gelernt. Vielleicht wusstest du aber auch schon das ein oder andere? Oder du kannst noch etwas ergänzen? Schreib es gerne in die Kommentare.

Liebe Grüße
Hanna 🐝

Ps: Im nächsten Beitrag wird’s darum gehen, was der Honig in der Medizin beitragen kann. 

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